Garden Glory

Frühstück gibt es heute schon um 7. Um halb neun rollen wir unsere Koffer zum Bus und werfen einen letzten Blick auf das Hotel Hydro – da hat Wikinger Reisen wirklich eine gute Unterkunft gebucht.

Wir schlängeln uns zunächst durch Eastbourne und stellen fest, dass auch der Rest der Stadt ziemlich gut aussieht, kein Wunder dass die Stadt ein beliebter Ort für die Sommerfrische ist. Der Weg zu unserem nächsten Gartenziel führt durch einige kleine, beschauliche englische Örtchen, die so bilderbuchhaft hübsch sind dass man am liebsten aussteigen möchte um ein bisschen Zeit dort zu verbringen. Überall niedliche kleine verhutzelte englische Häuschen mit rosenumrankten Fassaden und schnuckelig bepflanzte Vorgärten, und darüber strahlt auch heute wieder die Sonne vom nahezu wolkenlosen Himmel.

Pünktlich um kurz vor 10 Uhr erreichen wir Wakehurst Place. Das Landhaus stammt aus der Zeit von Elizabeth I, dazu gehören 60 Hektar allerschönster englischer Landschaftsgarten. Wir haben zwei Stunden Zeit, und die kann man hier auch locker verbringen, das Gelände ist riesig und hat viel zu bieten.

Wir essen im Café eine Kleinigkeit, deshalb reicht die Zeit leider nicht mehr für eine Besichtigung des Herrenhauses. Macht nichts, wir haben den Garten richtig genossen.

Als nächstes steuern wir Arundel an, ein kleines Örtchen nahe der Küste. Der Bus hält in der Nähe des Flüsschens Arun, und wir gehen die letzten anderthalb Meilen am Fluss entlang durch rauschendes Gras, und mit einer spektakulären Sicht auf das atemberaubende Arundel Castle, das zusammen mit der Kathedrale den kleinen Ort riesenhaft überragt.

Arundel Castle war ursprünglich eine normannische Festung aus dem 11. Jahrhundert, die leider im 17. Jahrhundert während des Bürgerkrieges fast dem Erdboden gleichgemacht wurde und erst im 19. Jahrhundert neu errichtet worden ist. Hier ist der Sitz der Herzöge von Norfolk, bis heute.

Auch hier haben wir wieder gut zwei Stunden Zeit, aber um das ganze Schloss und die Gärten anzuschauen reicht das noch nicht mal ansatzweise. Mutter und ich entscheiden uns für die Besichtigung der Fitzalan Chapel und der anschließenden Gärten.

Die Kapelle, in der die Herzöge beigesetzt sind, ist klein aber imposant.

Und die Gärten sind einfach wunderschön. Die Anlage ist durchaus formal geplant, hat aber nichts von Reißbrettstrukturen. Ein von Hecken umfasster Teil geht in den nächsten über, und es sind durchaus nicht nur die üblichen Gartenteile wie White Garden oder Classic Herbaceous Borders, sondern es gibt zum Beispiel den Wild Flower Garden oder (ganz besonders interessante Idee) „The Stumpery“, hier wachsen Wald- und Schattenpflanzen zwischen pittoresk drapierten Baumstümpfen und verwachsenen Wurzelballen.

Die Beete sind dicht bepflanzt, scheinbar bunt durchmischt, und fast alles in voller Blüte. In zentralen Positionen stehen ein paar Wasserspiele, darunter als Kuriosität eine von einem Wasserstrahl emporgehaltenen Krone, „The floating crown“.

Und trotz aller Pracht ist das ein Garten der zum Picknicken einläd oder zu einer schnellen Mittagspause. Überall stehen Bänke, und die senior citizens, die Schloss und Garten in großer Zahl besuchen, werden mit dezent surrenden Buggys den Hügel hinauf und bei Bedarf auch wieder hinab kutschiert.

Wir nehmen im Schlosscafé Kaffee bzw. Tee und Scones (nicht schlecht, aber der Geschmack ist genau so dezent wie das Surren der Buggys), bevor wir uns um 16 Uhr leider wieder von Arundel trennen müssen. Fahrer Marc hat in der Zwischenzeit den Bus gewechselt, weil der komfortable Monsterbus leider zu groß ist für die engen Sträßchen in Cornwall. Der neue Bus ist nur zwei Meter kürzer (hoffentlich reicht das um in Cornwall um die Kurven zu kommen!) und bietet mehr Beinfreiheit weil die Sitze weiter auseinander stehen. Leider heißt das für Leute mit kurzen Beinen, dass die Fußstützen am Vordersitz nur zu erreichen sind wenn man sich quasi waagerecht hinlegt, das ist für mich nicht wirklich bequem.

Trotz Stau auf der Autobahn erreichen wir Bournemouth fast mit Glockenschlag um 18 Uhr. Das Norfolk ist wieder eines dieser altehrwürdigen Schätzchen, von außen hübsch anzusehen, und von innen schon ein wenig antiquiert aber noch in Ordnung. Der Lift allerdings hat, wie eine alte Dame mir anvertraut, „a will of its own“. Er ist seeeehr laaangsaaaam, die Türen öffen und schließen im Schneckentempo, und genau in diesem Tempo geht es auch zu den drei Stockwerken. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis alle 17 von uns mit ihren Rollkoffern auf die Etagen verteilt werden können. Ach ja, und außerdem wird gerade renoviert, und der Speisesaal ist nicht direkt zugänglich. Also Sie müssen erst durch die Bar, dann raus, dann um die Ecke und hinten wieder rein, ganz einfach.

Wir haben es schließlich gefunden und treffen uns zum uns zugewiesenen Timeslot (20 – 21 Uhr) im Speiseraum. Die Organisation in der Küche klappt leider nicht richtig, wir müssen vor allen Gängen sehr lange warten und sind erst um 22 Uhr fertig. Zu diesem Zeitpunkt nicken viele schon schlaftrunken vor sich hin. Ein paar Unermüdliche werden noch mit Claudia zum Grab von Mary Wollstonecraft Shelley gehen, aber wir anderen fallen dankbar und müde in die Betten.

 

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