In the Jungle

Zum Frühstück gibt es geschmacksneutralen Tee und genau eine Sorte Jam, und die gibt es nur im Plastiktöpfchen. Der Abschied vom Golfhotel Elfordleigh schmerzt nicht wirklich.

Die Wandergruppe verlässt am Küstenwanderweg den Bus, und wir vier Aussteiger werden von Marc in die kleine Küstenstadt Fowey gefahren. Das Wetter ist super, Sonnencreme ist heute wieder Pflicht. Wir gehen vorsichtig die steilen Wege vom Parkplatz runter ins Zentrum und versuchen, auf eigene Faust das Ende des Küstenwanderweges zu finden um vielleicht doch ein kurzes Stück des Weges gehen zu können, aber es gibt nirgends Hinweisschilder. Wir laufen ein bisschen durch die engen, verwinkelten Gässchen mit vielen niedlichen kleinen Läden in den „quaint“ Häuschen. Schließlich landen wir in einem kleinen Café in einem schattigen Innenhof und trinken erstmal einen richtigen Tee.

Am Hafen entscheiden wir uns spontan für eine Bootsrundfahrt durch Hafen und Flußmündung, weil man vom Wasser einen noch schönerern Blick auf Fowey hat,

und auf einer kleinen Barkasse werden wir auf dem Weg zum Bootshafen an Daphne DuMauriers Ferienhaus „Ferryside“ vorbeigeschaukelt, wo heute ihr Sohn wohnt.

Hinterher gibt’s ein leckeres Eis, und dann steigen wir gaaanz laaangsam die steilen Sträßchen wieder hoch, um die später erschöpft heranstapfende Wandergruppe am Bus zu treffen.

Von hier aus ist es nicht mehr weit zu den Lost Gardens of Heligan. Heligan gibt es schon ein paar hundert Jahre, aber Anfang des 20. Jahrhunderts konnte die Familie den Unterhalt nicht mehr zahlen, und Haus und Gelände verfielen. Erst Anfang der 90er Jahre begann man, das völlig zugewucherte Gelände frei zu schneiden und den Park wieder herzurichten. Es gibt – wie sich das gehört – einen Ziergarten und einen Nutzpflanzengarten, und ziemlich viel Landschaft drumrum,

aber das alles wäre nicht wirklich der Rede wert wenn es nicht noch „The Jungle“ gäbe. In einer großen Senke, umgeben von riesigen Baumveteranen, ist ein wirklicher Dschungel entstanden. Wahre Rhododendronungetüme, riesige Farnwedel, alle möglichen exotischen Bäume, Baumfarne, Cabbage Trees … man läuft sozusagen mit heruntergeklapptem Unterkiefer hindurch.

Man wird auf Plankenwegen geführt, und mittendrin gibt es eine Burmese Rope Bridge. Wer sich traut, kann auf zwar gut gesicherten aber doch sehr schwankenden Seilen über die Senke auf die gegenüberliegende Seite wackeln.

Wir haben den Dschungel gleich zu Beginn angesteuert, was sich als gute Idee erweist. Man bekommt zwar beim Eintritt einen Geländeplan, auf dem brav steht wie die Gartenteile heißen, aber das alles nützt leider gar nichts wenn auf den verschlungenen, überwucherten und unübersichtlichen Wegen (die ja den Charme von Heligan mit ausmachen) nur hin und wieder mal Schilder stehen. Alle naslang steht man vor einer Weggabelung und weiß nicht, welcher Weg wohin führt, und man kann sich eben nicht auf Sicht orientieren. Das führt zwar zu mehr Kontakt („Excuse me, do you happen to know where exactly we are?“), aber auch zu hilflos umherirrenden Menschen, und wenn diese Menschen um 17 Uhr am Bus sein müssen ist das einem entspannten Umherflanieren nicht zuträglich.

Nachdem wir aus dem Dschungel herausgefunden haben machen wir uns auf die Suche nach den „Northern Gardens“ – gemeint sind die Bereiche mit den Blumenbeeten. Es dauert ein bisschen, bis wir sie gefunden haben, und hier macht sich nun ein wenig Enttäuschung breit. Es entsteht der Eindruck des „gut gemeint“. Die Beete sind trocken, die Pflanzen häufig dünn gesät und teils schlecht ernährt, es wirkt wie auf gut Glück zusammengewürfelt. Schwer zu sagen, ob hier die Liebe fehlt, die Inspiration oder schlicht die Mittel. Fast könnte man meinen, die Gärtner hätten nach der Erschaffung des Dschungels gedacht: Nee, das reicht noch nicht als Anziehungspunkt, da müssen noch irgendwelche Blumen irgendwo hin.

Eine wirklich geniale Idee sind aber die Woodland Sculptures, Kunstwerke aus Drahtgerüst, Erde und Pflanzen im oberen Teil des Gartens.

Aus lauter Angst, nicht früh genug den Ausgang zu finden, treffen sich alle Reiseteilnehmer ohne Verabredung etwa eine halbe Stunde vor der offiziellen Abfahrt des Busses im Shopbereich am Ausgang, wo man noch kurz im lichten Schatten sitzen und die letzten Kekse aus dem vorletzten Hotel essen kann.

Eine kurze Fahrt bringt uns zu unserem Hotel im größten Seeband Cornwalls, in Newquay. Das Hotel Pentire liegt nahe am Meer, aber wie sich herausstellt ist das auch das einzige Pfund, mit dem das Hotel zu wuchern vermag. Das Haus sieht aus als hätte es seit den späten 50er Jahren keinen Außenanstrich mehr bekommen, gleiches gilt für die verrosteten Abflussrohre, und mein Zimmer ist schätzungsweise noch original aus den frühen 60ern – mal abgesehen vom Flachbildschirm und der immerhin relativ neuen Dusche. Der Teppich ist schon von Natur aus braun und aus Altergründen abgeschabt und fleckig, die Tapete blättert, der Gesamteindruck ist, wie der Rheinländer so schön sagt, römelig. Gut dass das Wetter so schön ist, wir werden möglichst viel Zeit draußen und möglichst wenig Zeit auf den Zimmern verbringen.
Das Essen ist, immerhin, besser als gestern, und der Service ist wirklich fix. Und die Aussicht aus dem Fenster entschädigt für einiges.

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