Trebah

Wir haben heute ziemlich viel vor und fahren deshalb schon um halb neun los. Leider weigert sich das Hotel kategorisch, den Frühstücksraum vor 7.45 Uhr zu öffnen, weshalb das Frühstück etwas hastig abläuft. Es zeigt sich, dass das Hotel wirklich sehr sparsam wirtschaftet. Jeder Gast bekommt zu Beginn seines Aufenthaltes jeweils ein klitzekleines Düppchen Shampoo und Duschgel, und das sollte dann bitte für den ganzen Aufenthalt reichen. Es reicht nicht? Sie können gerne an der Rezeption nachkaufen. Teelöffel? Nun ja, wenn sie so etwas wirklich brauchen, dann fragen Sie doch die zuständige desinteressierte Servicekraft, die wird Ihnen dann schon noch kurz vor Abfahrt des Busses einen bringen. Salz zum Ei? Ist das nötig? Aber bitte, wir wollen nicht so sein, wir bringen Ihnen das Salz vom Nachbartisch – hätten Sie sich ja eigentlich auch selbst holen können, oder?

Mutters Erkältung nistet sich ein, weshalb wir uns gegen die Küstenwanderung entscheiden. Wir werden von Marc mit einer weiteren Wanderschwester schon zum Trebah Garden gefahren und haben dort richtig viel Zeit.

Das Gelände von Trebah ist gar nicht mal so groß, trotzdem kann man dort durchaus ein paar Stunden verbringen. Der Garten liegt in einer Schlucht mit teils steil abfallenden Hängen, in der Mitte fließt ein kleines Rinnsaal, das weiter unten ein paar Teiche speist, und ganz unten hat Trebah sogar seinen eigenen kleinen Kiesstrand, wo man an Tagen wie heute schön die Füße ins Meer stellen kann.

Oben im Garten ist die Bepflanzung noch höflich-zivilisiert.

Es gibt ganze Wege, die von Kamelien oder Rhododendren gesäumt sind, leider ist deren Blüte ja schon vorbei, und die Taglilien sind in Trebah noch nicht ganz soweit.

Je weiter man Richtung Schlucht geht desto mehr wuchert es, fast ein bisschen dschungelartig aber nicht so wild wie in Heligan.

Die Senke ist der Hit. Rings um das Rinnsal wurde zum Beispiel „Bamboozle“ angelegt, ein Rundgang durch die unterschiedlichsten Bambusarten, oder die Gunnera Plantation, wo man unter riesigen Gunnera-Blättern herumspazieren kann.

Noch weiter unten gibt es einen Teich mit passendem Teichmonster,

darunter liegt ein von Hortensien umringter Teich, über den eine von Monet inspirierte Brücke gebaut wurde.

Ganz unten ist noch ein Teich mit einem großen Klops Gunnera drin,

und dann ist man auch schon am Strand.

Und dann muss man den ganzen Weg eben auch wieder hochstiefeln.

Die Senke ist so geschützt dass kaum Wind durchdringt, und die Luft wird schnell stickig. Wir drehen eine komplette Runde durch den Garten und müssen danach erstmal eine Pause im Café einlegen. Mutter, durch die Erkältung gehandicapt, macht ein längeres Päuschen, und ich drehe mit der zweiten Aussteigerin eine weitere Runde durch den Garten. Auf dem Rückweg treffen wir auf die ersten Wanderer, die inzwischen eingelaufen sind und uns berichten, dass es auf dem Küstenwanderweg nicht nur sehr heiß war, sondern dass der Weg offenbar ausschließlich aus Höhen und Tiefen bestand und kaum grade Strecken hatte. Wir Aussteiger klopfen uns gegenseitig auf die Schulter und finden, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben.

Am Nachmittag geht es weiter ins Küstenstädtchen St Ives, das als Künstlerkolonie Cornwalls gilt. Wir haben die üblichen zwei Stunden Zeit, aber das ist meiner Meinung nach zuwenig um aus dem Ort was zu machen. Die Tourbusse dürfen nur oberhalb der Stadt parken, und man geht entweder die steilen engen Sträßchen hinab oder fährt mit dem örtlichen Bus, und mit der verbleibenden Zeit kann man nur begrenzt was anfangen weil man den Berg ja wieder hoch gehen oder auf den Bus warten muss. Mutter und ich gehen ins Barbara Hepworth Museum, wo viele Skulpturen des Bildhauerin, die lange in St. Ives gelebt hat, im Haus und vor allem im Garten ausgestellt sind.

Danach ist eigentlich Zeit für nichts mehr weil die Busse nur in 20-Minuten-Abständen fahren und Fahrpläne auch eher leger interpretiert werden. Wir teilen uns eine Portion Chips auf der Bank an der Haltestelle in sengender Sonne und sind ganz dankbar, als endlich der richtige Bus kommt der uns zurück zum Parkplatz fährt.

Beim Abendessen im Hotel wiederholt sich das Szenario von heute früh. Mutter hat kein einziges Messer. Es gibt keine Messer mehr. (Sie bekommt mein Vorspeisenmesser.) Die Servicekräfte räumen die Teller in der Regel kommentarlos ab, höchstens begleitet von der Frage „Finished?“ oder, wenn sie mal ganz redselig sind, „You finished?“ Auffallend ist, dass noch nie jemand gefragt hat ob es einem denn geschmeckt hat. Weil wir heute erst nach 19 Uhr wieder zurück waren hat Claudia beim Hotel durchgesetzt, dass wir um 19.45 Uhr zu Abend essen dürfen, was dem Hotel eigentlich schon zu spät ist. Zur Strafe bekommen wir weder Tee noch Kaffee hinterher, was eigentlich im Menü inbegriffen ist. Wer das noch möchte, kann es sich ja an der Bar holen – gegen Bezahlung, natürlich.

So langsam kriegen wir Heimweh.

 

 

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